Architekt Bernardo Bader im Interview

Im Interview spricht Architekt Bernardo Bader über den traditionellen, weltoffenen Charakter der Taube und wie sich dieser baulich in die Zukunft übertragen lässt. Über die Herausforderungen, die der Umbau eines so geschichtsträchtigen Hauses mit sich bringt und wie es gelingen wird, die Ansprüche einheimischer und internationaler Gäste unter einem Dach zu vereinen.

Das Posthotel Taube ist eine Institution in Schruns mit einer langen, ereignisreichen Geschichte. Wie gehen Sie bei so einem traditionsreichen Gebäude an ein Umbauprojekt heran?

Die Taube ist nicht nur in Schruns, sondern generell für das Montafon ein wichtiges Haus. Wir haben die Einladung, uns über dieses Haus Gedanken zu machen sehr gerne angenommen, denn das Thema Gastronomie oder Bauen für Gäste ist mir sehr lieb. Die Herangehensweise dabei ist für uns, auch wenn die Themen immer etwas anders gelagert sind, meistens doch recht ähnlich. Zum einen spielt der Ort eine sehr große Rolle – hier durch die sehr zentrale Lage des Hauses natürlich noch mehr. Dadurch hat es zwangsläufig viel mit dem Ort und so auch mit den Menschen zu tun. Zum anderen gibt es einen Bauherren, der formuliert wie er sich das Haus, auch betrieblich, vorstellt. Das ist eine Mischmenge, die sehr viele Ansprüche mit sich bringt, die bei so einem Projekt unter einen Hut zu bringen sind.

Dazu kommt, dass das neue Posthotel Taube sowohl ein Treffpunkt für die Schrunserinnen und Schrunser bleiben, aber auch anspruchsvollen Urlaubsgästen einen inspirierenden und erholsamen Aufenthalt ermöglichen soll. Wie gehen Sie mit dieser zusätzlichen Anforderung um?

Unser Ziel ist es, wieder ein ähnlich starkes, revitalisiertes Haus zu bauen, das genau das kann: Das sowohl den Einheimischen wieder anspricht, mit dem Gastgarten, dem Stammtisch und so weiter, aber natürlich auch den möglichst internationalen Gast, der ja auch geschichtlich immer schon vorhanden war. Die Taube ist ein sehr mondänes Haus, bei dem schon sehr wichtige Leute aus- und eingegangen sind. Das ist auch das Schöne. Ein gutes Haus, eine gute Architektur und guter Service sind sowohl beim einheimischen als auch beim internationalen Gast gefragt. Ich glaube, dann klappt es auch, dass beides Platz hat.

Welche Traditionen im architektonischen Sinne empfinden Sie an der Taube als besonders bewahrenswert?

Die Taube ist ein Haus, das seit dem 18. Jahrhundert mehrere Entwicklungsschritte erlebt hat. Mit dem Gasthaus beispielsweise oder der Poststelle, die als Annex zum Dorfplatz hin errichtet wurde. Ein großer Teil des Hauses muss abgebrochen werden. Vor allem der Teil Richtung Osten mit dem ehemaligen Saal. Auch die Gaststuben und der Küchentrakt sind in der Art nicht mehr zu erhalten. Hier muss das Haus auch ein bisschen größer werden. Aber der Hauptbau, die Hauptfassade, die auch zur Silvrettastraße wirkt, bleibt in Teilen erhalten. Die Teile, die nicht erhalten bleiben, werden wieder in der Art revitalisiert, wie das Haus einmal war. Die Taube war immer schon ein sehr prächtiges Haus und wird wieder zur alten Stärke rückgeführt.

Worin liegen die größten Herausforderungen in diesem Projekt?

Die große Herausforderung war hier, das gesamte Angebot von Wellness über die Zimmer bis zur Gastronomie verträglich für den Ort in drei Baukörpern unterzubringen: im Haupthaus und in zwei kleineren Nebenhäusern, die unterirdisch miteinander verbunden sind. Das schafft eine sehr einzigartige Qualität, die einen dörflichen Maßstab und einen durchlässigen Außenraum bewahrt. Das ist auch das Besondere an diesem Projekt: Die Taube ist keine Insel. Sehr viele Hotels sind Inseln, wo sich alles in einem Volumen abspielt. Sie saugen die Leute nach innen, arbeiten aber nicht nach außen. Die Taube ist ein Haus, das mit dem Dorf arbeitet und das Dorfleben inkludiert. Das ist auch wichtig, denn das hat das Haus schon immer gekonnt und das gibt ihm eine unglaubliche Qualität. Nicht nur für den Gast, sondern auch für den Einheimischen.

Sie haben bereits in Schruns gebaut und sich dafür intensiv mit dem Ort und dem Montafon und seiner Geschichte auseinandergesetzt. Welche Erfahrungen und Erkenntnisse daraus waren auch für dieses Projekt von Nutzen?

Ich bin Bregenzerwälder. Ich weiß, wie eine Talschaft funktioniert. Das Montafon funktioniert nicht wesentlich anders als der Bregenzerwald. Der Bregenzerwald ist ein bisschen lieblicher von der Landschaft und von seiner Baukultur her. Schruns und das Montafon sind stärker geprägt vom Massivbau. Gerade in Schruns spürt man den italienischen Einschlag, wenn man durch den Ort geht. Die Tradition des Massivbaus war für das angesprochene Projekt sehr wichtig. Die Parallele zur Taube liegt eher im Beitrag der Handwerklichkeit. Das Haus soll dem historischen Vorbild gerecht werden und dieses weiterentwickeln. Das sind so die Dinge, die man im Ort erkennen kann und die ich sehr charmant finde. Dieses Haus kommt aus dem Ort heraus und wird auch weiterhin stark mit dem Ort verwoben sein.

Wie wird sich das Posthotel Taube den einheimischen und internationalen Gästen zukünftig präsentieren?

Das zukünftige Erscheinungsbild der Taube wurde in engem Einklang mit der Bauherrschaft entwickelt. Uns ist wichtig, dass speziell in den Gaststuben und am Stammtisch das Montafoner Leben wieder abgebildet wird. Daneben wird es Stuben fürs Frühstück und das À-la-carte-Restaurant geben. In der ehemaligen Posthalle entsteht eine Bar, die das Haus mit dem Ort aber auch mit der Welt verbinden wird. In der neuen Taube soll der ursprüngliche Charakter wieder entfacht werden: Sie wird dem Montafoner Erbe gerecht bleiben und dabei sehr mondän, sehr weltoffen sein. Das ist auch von den Bauherren eine sehr mutige und gute Ansage, denn solche Sachen gibt es viel zu wenige.

Was würden Sie sich für Reaktionen der Stammgäste bei der Eröffnung 2023 wünschen?

Ich bin schon öfter Gast in dem Haus gewesen – und werde es zukünftig hoffentlich auch sein. Was ich mir wünsche ist, dass man sieht: es funktioniert gut. Dass die Menschen mit den Räumlichkeiten, die geschaffen wurden gut umgehen können und sich dort wohlfühlen. Nicht nur die Gäste, auch die Menschen, die dort arbeiten. Das ist auch den Bauherren sehr wichtig. Sie sind sehr qualitätsaffin und legen großen Wert darauf, den Stil der Taube zu wahren. Dass die Menschen das auch schätzen können, das würden wir uns wünschen.